Neuer Bundeskanzler, neuer Papst - aufs Neue wieder Frieden? Vertrauen auf die Geistkraft Gottes und das Herz der Menschen

Pfingstbrief 2025 von Dekan Hermann Friedl, Katholisches Dekanat Reutlingen-Zwiefalten

Pfullingen/Reutlingen, Pfingsten 2025

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freundinnen und Freunde in Gesellschaft und Kirche!

Unmittelbar nach seiner Wahl zum 267. Oberhaupt der katholischen Kirche hat Papst Leo XIV. am 08. Mai 2025, dem 80. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges, von der Benediktionsloggia des Petersdoms als seine erste Botschaft an alle Völker der Erde keine anderen Worte ausgerufen als die des auferstandenen Jesus Christus: „Friede sei mit euch!“ (Johannes 20,19).

In einer aus den Fugen geratenen Welt mit egozentrischen Machthabern und Despoten an der Regierung, die buchstäblich über Leichen gehen, mit trügerischer „Alternative für Deutschland“, mit massivem Glaubensschwund und absolut profaner Ausrichtung und Verankerung am und im Sozialstaat haben es viele Menschen verlernt, was es heißt, seinen Nächsten in dessen unantastbarer Menschenwürde wertzuschätzen und mit Respekt und Toleranz aufeinander zuzugehen und zu begegnen, gemeinschaftlich Gesellschaft und Kirche mitzugestalten und sich selbst einmal hintan zu stellen - zum Wohl aller.

Medial werden wir täglich damit konfrontiert, wie Mandatsträgerinnen und -träger in Politik, Industrie, Wirtschaft, Staat und Religionsgemeinschaften alles geben, um den Frieden zu wahren, die Zukunft zu sichern und den Menschen ein Leben voller Hoffnung und Zuversicht zu gewähren. Dabei ist es offensichtlich, wie rein menschliche Bemühungen und Anstrengungen um Wachstum, Frieden und Stabilität oft genug an ihre Grenzen kommen. Friedensgespräche, Friedensverhandlungen und Friedensverträge bleiben brüchig, wenn sie nur menschengemacht sind und ihnen der wesentliche Pfeiler fehlt: die Geistkraft Gottes und eine wieder neue gemeinsame Ausrichtung auf Gott über alle Religionen hinweg.

Die Erscheinung Jesu vor allen Jüngerinnen und Jüngern am Osterabend gipfelt nach der Überlieferung des Evangelisten Johannes nicht nur in der göttlichen Friedenszusage, sondern auch in der Ausgießung des Heiligen Geistes, der Geistkraft Gottes! Anders als bei den Synoptiker Matthäus, Markus und Lukas geht das Oster- und Pfingstgeschehen ohne die traditionellen 50 Tage (Pentekoste - Pfingsten) bei Johannes absolut in eins (Johannes 20,19-23). Der endgültige Sieg über den Tod, die Erscheinung des Auferstandenen in der Welt und die Verheißung des Friedens sind etwa wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen.

Ich wünsche uns allen in dieser Zeit und Welt mutmachende Gesten und Zeichen, Worte und Taten der Liebe, vor allem auch glaubwürdige Vorbilder in Kirche und Gesellschaft! Es braucht die Eltern als Respektpersonen für die Kinder, die Lehrerinnen und Lehrer für die Schülerinnen und Schüler, die Chefs in den Firmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die weltlichen und kirchlichen Würdenträger für Menschen, die nach der Wahrheit, dem Lebenssinn und einer die Zukunft überdauernden Perspektive fragen. Jede und jeder von uns ist aufgerufen, seinen mitmenschlichen Beitrag dazu zu leisten! Oder mit den Worten des deutschen Rocksängers Udo Lindenberg ausgedrückt: „Hinterm Horizont geht’s weiter, ein neuer Tag, hinterm Horizont immer weiter, zusammen sind wir stark! Das mit uns ging so tief rein, das kann nie zu Ende sein, sowas Großes geht nicht einfach so vorbei!“

Ich danke Ihnen allen von Herzen für Ihre so wertvolle Arbeit im Dekanat, in der Ökumene, im Landkreis und weit darüber hinaus! Gott sei ‘s gedankt, dass es immer wieder Menschen gab und gibt, die sich in die Verantwortung nehmen lassen, Gesellschaft und Kirche mitgestalten und manches dafür an Zeit, Kraft, Anfeindung und manchmal auch Gesundheit auf sich nehmen! Die katholischen Kirchengemeinderatswahlen Ende März 2025 haben es erneut gezeigt. Dies wird auch bei den Kirchengemeinderatswahlen unserer evangelischen Glaubensgeschwister Anfang Advent 2025 und nicht zuletzt bei der Wahl zum 18. Landtag von Baden-Württemberg am 08. März 2026 so sein. Darauf vertraue ich!

In berechtigter Hoffnung und Zuversicht auf Frieden und die Realisierung des Leitsatzes des jüdischen Religionsphilosophen Martin Mordechai Buber „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben die unerschöpfliche Geistkraft unseres Gottes für eine verheißungsvolle Zukunft!

Gesegnete und be-geist-ernde Pfingsttage sowie liebe Grüße von Haus zu Haus!

Ihr

Hermann Friedl, Dekan

Dekan Hermann Friedl, Marktstr. 26, 72793 Pfullingen, (07121) Fon 71208 Fax 4912897 Mail info(at)jhf7.de
Katholisches Dekanatsamt, Schulstr. 28, 72764 Reutlingen, Mail: DekGesch.RT(at)drs.de