Aus dem Ghetto der Unverständlichkeit - Dekan Hermann Friedl wünscht den Geist des Friedens

Das Pfingstfest sollte immer neu Startschuss für einen Ausbruch aus dem Ghetto der Unverständlichkeit sein. Denn für den Frieden unter den Menschen muss man sich verstehen und verständlich machen. Dazu wünscht Dekan Hermann Friedl zum Pfingstfest den Friedensgeist Gottes.

Mit seinem jährlichen Pfingstbrief verweist der Dekan des katholischen Dekanats Reutlingen-Zwiefalten auf die Geschichte des christlichen Festes, das auf ein jüdisches Wallfahrtsfest zurückgeht, an dem sich Juden aus aller Herren Länder in Jerusalem versammelten. Wenn nun fünfzig Tage nach Ostern das Pfingstfest gefeiert werde, sollten Christen in aller Welt sich vom Evangelium inspirieren lassen und „aufmachen, um in allen Sprachen Gott zu preisen; ich bin überzeugt: dann verändert sich die Welt!“, so Friedl in seinem Pfingstgruß. Dabei gehe es um die Gesinnung und Bereitschaft, „Kirche und Alltag zu gestalten“.

Angesichts neuer Fragen und uralter Sehnsüchte, die durch das Miteinander unterschiedlicher Kulturen deutlich werden, bedürfe es einer „Migration der Hoffnung“. Unerlässlich sei dabei, sich zu verstehen und verständlich zu machen: „Das Pfingstfest sollte immer neu Startschuss für einen Ausbruch aus dem Ghetto der Unverständlichkeit sein.“

Besonders gut bringe dies das Motto „Suche Frieden“ des diesjährigen Katholikentags in Münster zum Ausdruck, denn die Losung kennzeichne „das Streben unserer ganzen Existenz in seinen vielfältigen Bezügen und Beziehungen“. Der Friede mit sich selbst erfordere eine entsprechende geistliche Grundhaltung. Ein Leben in Frieden miteinander bedürfe der Bereitschaft, einander mit Toleranz und Respekt zu begegnen, gegebenenfalls auch Differenzen auszuhalten und im fairen Dialog zu benennen, sei es „die Frage nach dem ‚verordneten‘ Kreuz im Freistaat Bayern oder die des Stadt- und Landkreises“. Der Weg zu einem friedlichen Miteinander der Religionen werde durch die aktuellen antisemitischen Vorfälle und unsäglichen Islam-Debatten empfindlich gestört. In der Kirche und im ökumenischen Zusammenwachsen sei zu hoffen, dass das Ringen der deutschen Bischöfe um die Teilnahme konfessionsverbindender Paare an der Eucharistie und beim Abendmahl durch den Geist des Friedens begleitet werde. Schließlich sei der „Blick für das Wohl des Gesamten“ in Politik und Gesellschaft Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben; Einzelinteressen ließen sich schwer mit dem Geist der Einheit vereinbaren.

Dankbar ist Friedl für „das Beten und Feiern, Handeln und Wirken unzähliger Menschen, die ihr unermüdliches Engagement im besten Sinne als ‚Gottes‘- und ‚Menschen‘-Dienst verstehen“. Hier zeigten sich deutlich Spuren des Friedensgeistes Gottes. Mit seinem Schreiben zu Pfingsten an Stelle der gewohnten Weihnachtspost wünscht Dekan Hermann Friedl, dass die „Ruach“, der „friedvolle Hauch der Heiligen Geistin Gottes“, die Menschen anrühren und bei ihrem Wirken und Tun leiten möge - zum eigenen Wohl, dem der Mitmenschen und der ganzen Gesellschaft.