Geduld und Vertrauen

Reutlinger Dekane Hermann Friedl und Marcus Keinath zu den besonderen Umständen an Ostern 2020

Foto: Cl.Dietz/privat



Die aktuelle Corona-Pandemie beeinflusst unser aller Leben. Um möglichst viel Leben zu schützen, gelten bestimmte Gesundheitsschutzregelungen, die einhergehen mit vielfältigen weiteren Maßnahmen, die die Regierungen dieser Welt und auch in unserem Land getroffen haben.

In vielen sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten Menschen mit bewundernswerter Kraft und Können, oft bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Sie tun dies für andere, für uns alle.

Und doch nimmt das Leid weltweit zu, und auch in unserem Land versterben immer mehr Menschen infolge einer Covid-19-Erkrankung. Fassungslos vernehmen wir die Berichte gerade auch aus unseren Nachbarländern. Und angesichts der weitreichenden und tiefgreifenden Auswirkungen in Wirtschaft, Bildung und Kultur sind wir in größter Sorge.

Die Weltwirklichkeit im Frühjahr 2020 ist für nahezu alle leitend Verantwortliche in Politik und Gesellschaft eine enorme Herausforderung, bei der gewiss nicht alles immer zur rechten Zeit und vollkommen richtig entschieden werden kann. Doch das aufrichtige und ernsthafte Bemühen, Entscheidungen zum größtmöglichen Schutz der Menschen zu treffen, ist bei der weit überwiegenden Mehrheit der Verantwortung Tragenden unzweifelhaft vorhanden.

Die Corona-Pandemie fordert auch die Kirchen und gläubige Menschen sehr heraus. Wie umgehen mit der Bedrohung? Im Blick auf die konkreten Verhaltens- und Versammlungsregelungen vertrauen wir Reutlinger Dekane dabei voll und ganz auf die Maßgaben der Behörden, die wiederum sich von der Fachwissenschaft intensiv beraten lassen. Dass es dabei auch zuweilen zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen kann, verstehen wir als ein besonderes Zeichen der Glaubwürdigkeit und der demokratischen Kultur dieser Beratungsprozesse. Wir haben deshalb nicht den geringsten Anlass, an den Vorgaben der Behörden zu zweifeln.

In der Konsequenz dieser Vorgaben finden bis auf weiteres keine Gottesdienste statt, zu denen Menschen sich physisch versammeln, auch nicht an Ostern. Das ist für gläubige Menschen bitter, aber noch viel schlimmer wäre es, wenn durch unsere Versammlungen die Ausbreitung des Virus befördert und dadurch Menschenleben in Gefahr kämen.

Unsere Kirchengemeinden laden stattdessen dazu ein, Ostern in den Häusern und häuslichen Gemeinschaften umso bewusster zu feiern und die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod einander weiter zu sagen. Dazu laden auch die Glocken unserer Kirchen am Ostersonntag um 10 Uhr ein, zum dankbaren Gebet, zum Osterliedersingen, zum Hören auf die Osterverkündigung in Radio und Fernsehen. Wir ermutigen dazu, in der Auferstehung Jesu ein Zeichen zu erkennen, dass nicht Trauer und Tod verbleiben, sondern die Hoffnung auf Leben auferstehe.

Mit einem Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja grüßen wir alle Lesenden herzlich:
„Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir“ (Jes 60,2).

Dekan Hermann Friedl, Katholisches Dekanat Reutlingen-Zwiefalten
Dekan Marcus Keinath, Evangelisches Dekanat Reutlingen