Hoher Bischofsbesuch in Reutlingen

Auf seiner Dienstreise durch Deutschland und Portugal besuchte der ghanaische Bischof der westafrikanischen Diözese Sunyani, Matthew Kwasi Gyamfi (62), seine Heimatpriester, die in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in den katholischen Seelsorgeeinheiten priesterliche Dienste tun und teilweise in Tübingen ihr Promotionsstudium absolvieren. Am 17. Januar 2020 weilte Bischof Matthew in Reutlingen und begegnete dort seinen afrikanischen Pfarrvikaren Andrew Antwi Owusu (Seelsorgeeinheit SE Pfullingen-Lichtenstein und Dekanat Reutlingen-Zwiefalten), Augustine Oppong-Tabiri (SE Reutlingen-Eningen), Martin Yaw Sie (SE Stuttgart-Nordwest), Gordon Kyeremeh Asare (SE Rot a.d.R./Illertal) und Peter Oppong-Kumi, der vor knapp zehn Jahren hier seine Dissertation schrieb und gerade auf Deutschland-Urlaub ist.

Dekan Hermann Friedl zeigte sich sehr beeindruckt von der knapp dreistündigen Begegnung mit dem ghanaischen Bischof und dessen Priestern, dem sich ein afrikanisches Mahl anschloss. Bei diesem isst man selbstverständlich das Lammfleisch und Fufu, ein Brei aus Maniok, Yams und Kochbananen, ohne Besteck, sondern rein mit den Fingern. Das intensive Gespräch von Dekan Friedl mit Bischof Gyamfi erfolgte in englischer Sprache, zumal Ghana ehemals britische Kronkolonie war. Während die deutsche Kirche Themen wie Missbrauch, Frauenordination, Zölibat, Abendmahlsgemeinschaft, wiederverheiratete Geschiedene und Kirchensteuergelder diskutiert und eigentliche Glaubensthemen hinten anstellt, stehen in der noch jungen Kirche des westafrikanischen Landes ganz andere Dringlichkeiten zur Diskussion: Bildungsdefizit, Abkehr von Aberglauben und Fundament des christlichen Glaubens. Die erste christliche Taufe liegt noch keine einhundert Jahre zurück. Überhaupt lebten die Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen im Frieden miteinander: 70% sind Christen, 20% Muslime, 5% andere und 5% Heiden.

"Auch durch die afrikanischen Priester komme Weltkirche in den Landkreis Reutlingen und bereichere das interkulturelle Miteinander in Gesellschaft und Kirche", sagte Dekan Friedl, und gab dem Bischof und seinen Priestern als kleines Präsent Falt-Ikonen aus Holz mit. Bischof Gyamfi bedankte sich sehr herzlich für die Aufnahme und Förderung der ghanaischen Priester hier vor Ort und für die warmherzige und äußerst lebendige, frohe und humorvolle Begegnung. Eine Einladung nach Ghana wurde ausgesprochen und ein erneuter Bischofsbesuch angekündigt.