Not erkennen und handeln

Der diakonische Auftrag der Kirche war Schwerpunkt in der letzten Sitzung des Dekanatsrats Reutlingen-Zwiefalten. Dazu informierte sich das Gremium an Hand der Lebenslagenberichte über soziale Notlagen im Landkreis. Schließlich wurde überlegt, wie Situationen von Armut in den pastoralen Entwicklungsprozess „Kirche am Ort“ einbezogen werden können.

Die drei Lebenslagenberichte

Vier Zielrichtungen einer zukunftsfähigen Kirche hat Bischof Gebhard Fürst für den pastoralen Entwicklungsprozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ vorgegeben: das Bild einer missionarischen, sakramentalen, dialogischen und diakonischen Kirche. Gemeint ist damit eine Kirche, die in all ihren Erscheinungsformen Zeugnis und Zusage der christlichen Heilsbotschaft gibt, den Menschen auf Augenhöhe begegnet und sich den Bedürfnissen von Notleidenden annimmt.

Mit dem letzten Aspekt befasste sich das Leitungsgremium des Dekanats Reutlingen-Zwiefalten in seiner letzten Sitzung.  Dazu informierte die Regionalleiterin der Caritas, Lisa Kappes-Sassano, über die drei Lebenslagenberichte, die in den letzten Jahren von der Kreisliga der Freien Wohlfahrtsverbände in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Reutlingen erstellt wurden. Im Blick waren dabei die Situation von alleinstehenden Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden und kinderreichen Familien. Nicht überraschend der Befund, dass dies Personengruppen mit hohem Armutsrisiko sind. Wichtig jedoch war, sich bewusst zu machen, dass Betroffene dieser Art in jeder Kirchengemeinde, in jedem Ort vorkommen, aber kaum wahrgenommen werden. „Armut versteckt sich“, so ein Fazit von Caritas-Leiterin.

„Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“ – unter dieser Leitfrage der Ordensschwester Mutter Teresa überlegten die Gremiumsmitglieder Maßnahmen und Ansatzpunkte, Armut vor Ort und der damit einhergehenden sozialen Isolation zu begegnen. Allgemein war die Feststellung, dass soziale Not weitgehend anonym bleibt und so schwierig wahrzunehmen ist. Dennoch gilt es, für die Situation der Menschen in der Umgebung sensibel zu sein. Um die Teilhabe an gemeindlichen Vollzügen wie Sakramentenfeiern, Unternehmungen und Feste zu erleichtern, sollten möglichst niederschwellige Angebote gemacht werden, z.B. auf Spendenbasis anstelle von Beiträgen. Für Dekan Hermann Friedl war anschließend klar: Es braucht viel Fingerspitzengefühl und ein funktionierendes Beziehungsnetz, damit Armut nicht zur gesellschaftlichen Ausgrenzung führt.

Außer dem Schwerpunkt standen einige Themen auf der Tagesordnung. So hat das Gremium unter anderem mit dem zweiten Vorsitzenden, Dr. Georg Obieglo, eine neue Vertretung des Dekanats im Kreisseniorentrat beschlossen.