Zukunft trotz Chaos

Dekan Hermann Friedl wünscht unerschöpflichen, nachhaltigen Geist. Das Pfingstfest sollte die Gesinnung und Haltung des Menschen prägen, aus der heraus er seine eigene Zukunft und die unserer Kinder und Nachkommen bestimmt. Wer nur auf seine eigene Kraft setze, merke bald, wie brüchig und hinfällig diese sei. Dekan Friedl wünscht daher zum Pfingstfest den überglobalen Geist Gottes.

Mit seinem jährlichen Pfingstbrief geht der Dekan des katholischen Dekanats Reutlingen-Zwiefalten auf die gegenwärtige Situation und Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft ein. Angesichts sozialer Spannungen und politischer Verwerfungen, „Populismus und Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Völkerhatz, Grenzzäune und Mauern, Gewalt und Killer-Roboter, Brexit und Exit, Verunsicherung und Zukunftsängste“ fragt Dekan Hermann Friedl besorgt, wohin die Erde, das Miteinander der Völker und Staaten sowie das Verhältnis von Kirche zu anderen Religionen sich entwickle.
 
Dekan Friedl zitiert aus der Apostelgeschichte des Lukas das Pfingstereignis, wie jeder den anderen in seiner Sprache reden hören konnte - ob als „Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, … von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, … Juden und … Araber - wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“ (Apg 2). Die Frage nach den Auswirkungen des heutigen „Kommunikationswandels angesichts der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz“ läge nahe, so der Dekan. In den sozialen Netzwerken höre man immer wieder den Ruf nach einem starken Wort und Zeichen. Da müsse doch endlich jemand einmal sagen, was Sache ist! Dabei geht Dekan Friedl auf die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg (16) ein, die „angesichts des Klimawandels mit ihrer globalen Bewegung ‚Fridays For Future‘ die Verantwortlichen auf den Plan gerufen“ hat. Wer aber würde aktiv, fragt Friedl weiter, angesichts derer, „die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und … ihre Macht über die Menschen missbrauchen“? (Mk 10,42).
 
 „Die Welt und die Kirche brauchen dringend wieder ein pfingstliches Wunder“, wie zu Beginn der Urkirche, so der Dekan. Die Veränderung unserer vielfach chaotischen Welt hin zu einer tragfähigen Zukunft habe eine Chance überall dort, wo Menschen unterschiedlichster Couleur im Geist der Liebe verbunden seien mit Gott und untereinander. Die Menschen müssten sich neu einlassen auf das verblüffende Wirken Gottes, wie es im Pfingsthymnus „Veni Sancte Spiritus“ von Stephen Langton um 1200 ersehnt wird: „Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.“
 
Dekan Hermann Friedl dankt in seinem Pfingstbrief ausdrücklich allen, die vor zwei Wochen an der Kommunal- und Europawahl als Wähler*innen und Kandidat*innen teilgenommen haben und sich für das Dekanat Reutlingen-Zwiefalten und den Landkreis engagieren. „Wir tun gut daran,“ so Dekan Friedl, „uns stets auf die demokratisch errungenen Werte zu stützen, sie zu erhalten und in unserem christlichen Eifer nicht nachzulassen!“ Mit seinem jährlichen Pfingstbrief als Alternative zur Weihnachtspost wünscht Dekan Hermann Friedl allen „die pfingstliche Begeisterung für Gott und die Menschen“, zum eigenen Wohl, dem der Mitmenschen und der ganzen Gesellschaft!