Weihnachtsfeiertage

Weihnachtslied mit Klimabotschaft

Das Weihnachtslied Nr. 761 im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ hat eine schlichte Melodie und passt auf den ersten Blick so gar nicht zur seligen und gnadenbringenden Weihnachtszeit. Und doch wird es Martin Neu, Kirchenmusiker des Dekanats Reutlingen/Zwiefalten, in der Christmette von St. Peter und Paul im Reutlinger Storlach erklingen lassen. Es ist der Text, der mitten ins Herz trifft. „Höre, die Geschöpfe seufzen, Bäume, Flüsse, Mensch und Tier, beugen sich und werden Opfer einer ungestillten Gier“, heißt es da in der zweiten Strophe. „Aktueller geht es kaum“, sagt Neu im Hinblick auf die Diskussionen und Demonstrationen zum Klimawandel.

Geschrieben wurde die Melodie für das Lied „Menschenkind, im Stall geboren“ von Winfried Heurich, der Text stammt von Eugen Eckert, dem evangelischen Stadionpfarrer in der Commerz-Arena in Frankfurt. Schon in den achtziger Jahren ist es entstanden, bewusst wahrgenommen aber erst jetzt. Für Diözesanmusikdirektor Walter Hirt wird in den Liedzeilen die Fehlinterpretation des göttlichen Auftrags deutlich, sich die Erde untertan zu machen. „Das Seufzen der Schöpfung wird uns in jüngster Zeit angesichts der zunehmenden Umwelt-, Unwetter- und Hochwasserkatastrophen vor Augen geführt“, schreibt er in „Betrachtungen und Predigten zum neuen Gotteslob“.

Schon immer ist die Entstehung von Weihnachtsliedern mit ihrem zeitgeschichtlichen Hintergrund verbunden und vor diesem interpretierbar, aber in diesem Lied geht es um mehr: um die Liebe Jesus, um soziale Gerechtigkeit und um das „leidenschaftliche Engagement zur Erhaltung der Schöpfung.“ In der vierten Strophe gibt es Hoffnung für Mensch und Erde und einen konkreten Handlungsauftrag: „Wenn wir unsere Erde wiegen, wie dich Menschenkind im Stall, werden die Geschöpfe jauchzen, Freiheit atmen Welt und All.“ (mto)

 

Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen 2019
im Landkreis Reutlingen: